Kindesentführung Tschechien Deutschland

Vier Festnahmen nach Kindesentführung

Vor einer Woche wird im tschechischen Ústí nad Labem (Aussig) ein wenige Wochen alter Säugling aus einem Kinderwagen entführt. Der Täter braust Richtung Sachsen davon. Jetzt taucht das Kind in Deutschland auf, vier Menschen sind in Haft.

Ústí nad Labem/Koblenz – Der Alptraum jeder Mutter wurde am vergangenen Mittwoch für eine junge Tschechin wahr: Vor ihren Augen nahm ein Unbekannter in der Kleinstadt Trmice (Türmitz) bei Ústí nad Labem (Aussig) ihre drei Wochen alte Tochter aus dem Kinderwagen, stieg ins Auto und brauste davon.

Die tschechische Polizei startete unmittelbar nach der Entführung eine groß angelegte Suchaktion und richtete eine Sonderkommission ein. Bereits kurz nach der Tat meldeten sich zahlreiche Zeugen, die den Wagen Richtung Deutschland fahren gesehen hatten. Deshalb beteiligte sich ab Donnerstag auch die Polizei in Sachsen an der Suche nach dem Fluchtwagen.

 

 

Quelle: LKA Sachsen

Säugling in Rheinland-Pfalz gefunden

Die tagelange intensive Suche hatte Erfolg: Am Montagnachmittag konnte die Polizei zunächst den Fluchtwagen in Deutschland identifizieren, gegen 20.45 Uhr wurde dann das entführte Mädchen aufgefunden. Gleichzeitig wurden vier Personen festgenommen. Nach bisher nicht offiziell bestätigten Informationen soll der Zugriff im Koblenzer Stadtteil Neuwied erfolgt sein.

Ein Sprecher der Koblenzer Polizei bekräftigte gegenüber FR und Berliner Zeitung lediglich, dass das Kind gefunden wurde und wohlauf sei, weitere Details wollte er mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Dresden nicht nennen. Dort war für eine Stellungnahme zunächst niemand zu erreichen.

Wie der nordböhmische Kreispolizeidirektor Vladimír Danyluk am Nachmittag auf einer Pressekonferenz mitteilte, wird das drei Wochen alte Baby in Deutschland von Ärzten betreut. Auch wenn es noch keinen endgültigen Beweis dafür gibt, sind sich die tschechischen Behörden inzwischen sicher, dass es sich bei dem Mädchen tatsächlich um die in der vergangenen Woche entführte kleine Michalka handelt.

Bei den vier Festgenommenen handelt es sich nach Informationen der tschechischen Polizei um drei Frauen und einen Mann, sie sollen alle deutsche Staatsbürger sein und in keinem Verwandtschaftsverhältnis zu dem entführten Kind stehen. Mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen wollte Polizeichef Danyluk zunächst keine weiteren Details zu dem brisanten Fall nennen.

 

Rätseln über das Motiv

Auch die deutschen Behörden sind mit Informationen sehr zurückhaltend. Das Landeskriminalamt in Dresden teilte bisher lediglich mit, im Zusammenhang mit der Entführung habe es umfangreiche Ermittlungen der Polizei in mehreren Bundesländern gegeben, mehrere Personen seinen vorläufig festgenommen worden.

Auf der Suche nach dem Motiv stehe man erst ganz am Anfang: “Bisher lag der Fokus der Ermittler darauf, das Baby so schnell wie möglich zu finden. Jetzt stehen umfangreiche Untersuchungen an, welche die Hintergründe und Motive dieser Tat aufklären sollen”, so das LKA in seiner Pressemitteilung.

Die tschechische Polizei arbeitet nach Angaben von Polizeidirektor Danyluk mit drei Ermittlungsansätzen: Entweder, es hat sich um eine rein zufällige, spontan durchgeführte Entführung gehandelt, oder das Kind ist quasi auf Bestellung entführt worden. Nicht ausschließen will die Polizei auch, dass das Motiv des Kidnappings im familiären Umfeld des Säuglings zu finden ist.

 

Tschechische Polizei lobt gute Zusammenarbeit

Die Polizei in Aussig bedankte sich bei den Bürgen für die zahlreich eingegangenen Hinweise aus der Bevölkerung und die hervorragende Zusammenarbeit mit der deutschen Polizei. Ohne den Einsatz Dutzender Beamter, darunter zahlreiche Spezialisten, auf beiden Seiten der Grenze wäre es nicht gelungen, das entführte Kind zu finden, betonte ein Ermittler auf der Pressekonferenz.

Der oder die Täter sind nach Angaben der Polizei sehr raffiniert vorgegangen: Der Fluchtwagen, ein VW Tiguan, war offenbar mit in Tschechien gestohlenen Kennzeichen ausgerüstet. Dennoch gelang es der Polizei, den Weg des Wagens bis an die deutsche Grenze und darüber hinaus zu verfolgen. Dazu seien von der Polizei-Sonderkommission mehr als 400 Stunden Videoaufzeichnungen ausgewertet und Dutzende Zeugen befragt worden.

Quelle: fr-online.de

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