Vater entführt Söhne

Am Donnerstag muss sich ein 34-jähriger Tunesier vor dem Bezirksgericht Winterthur wegen Kindesent­führung und versuchter Erpressung verantworten.

Eigentlich hätte der Angeklagte seine Söhne nur über das Wochenende sehen dürfen, denn nach der Trennung war seiner Schweizer Ehefrau das Sorgerecht zugesprochen worden. Statt die Kinder zurück zu ihrer Mutter zu bringen, reiste er laut der Anklageschrift im August 2010 mit ihnen nach Genua. Dort nahmen sie die Fähre und erreichten nach einer 25-stündigen Schiffsreise seine Heimat Tunesien.

Gemeinsame Ferien mit den Kindern waren dem Serviceangestellten nur in den Nachbarländern erlaubt, eine Reise nach Tunesien war vom Gericht explizit verboten worden. Die Schweizer Reisepässe der damals vier- und sechsjährigen Söhne befanden sich bei der Mutter. Der Angeklagte hatte ihnen allerdings schon vorher ohne das Wissen seiner Frau tunesische Pässe ausstellen lassen. Dass er nicht beabsichtigte, die Kinder wieder in die Schweiz zurückreisen zu lassen, belegt ein E-Mail, das er seiner Frau eine Woche nach der Entführung geschrieben hat. Darin droht er der 30-Jährigen, er würde mit seinen Söhnen nach Libyen ziehen. Wenn sie ihm allerdings 170?000 Franken überweise, könne sie mit den Kindern und ihm zusammen im tunesischen Jendouba leben. Das Geld benötige er für eine neue Wohnung, ein Auto und die Eröffnung eines Geschäfts.

Einige Wochen später drohte er seiner Schwiegermutter in ein SMS, sich selbst und die Kinder zu erschiessen, falls man versuchen würde, diese in die Schweiz zurückzuholen. Bei einem Aufenthalt in Marokko konnte der Angeklagte schliesslich verhaftet und in die Schweiz ausgeliefert werden. Seit vergangenem Mai befindet er sich im Flughafengefängnis.

Quelle: landbote.ch

 

Ein weiterer Bericht zu dem Pilotverfahren in der Schweiz finden Sie hier: http://www.kindesentzug24.com/pilotprozess-gegen-kindesentfuehrer/

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